40 Jahre Jazzclub Hanau - Konzert am 03. Oktober 2015

 

Ein Bericht von Jonas Freudenberger

 

 

Die Ankunft

 

Samstag Abend das Leben lockte, die Verpflichtung packte, Schlaf war Mangelware doch es hing ein unausgesprochenes Versprechen eines kulturell musikalisch überwältigenden Abends in der Luft. Von diesem Ausgangspunkte überwand der Autor seine Hangover bedingte Lethargie und machte sich in erschöpftem doch optimistischen Zustand auf nach Hanau, um im Congresspark erleben zu können, was der Jazzclub Hanau zu Gunsten seines 40 jährigen Jubiläums aufbieten würde. Es mag vorweggenommen werden das seine schon recht optimistischen Erwartungen, an jenem doch unbegeisterungsfähigem Tag um ein gutes übertroffen wurden.

Angekommen machte der als musikalisch "alleshörende" unspezialisierte Autor dieses Artikels auch gleich daran ein paar der Besucher über deren Erwartungen zum in Kürze stattfindenden Ereignis zu befragen. Was ein recht einstimmiges"Das wird schee, das wird gut" zu Tage förderte. Mit diesen inhaltsreichen Informationen ausgestattet ging es dann zum Auftakt des von Jürgen Schwab moderierten Konzertes.

 

Lebendige Klänge

 

Den Beginn machte die vom Lehrer Horst Aussenhof, der den Hessischen Kulturpreis in diesem Jahr verliehen bekommen hatte, geleitete IKS ("irgendwie klappts schon") Bigband die mit überagendem musikalischem Niveu, vom Pianisten bis zum Guitaristen swingdurchdrungen überzeugen konnte, es klappte hervoragend. Mit einem lebendigem facettenreichem Programm wurde der geneigte Zuhörer in träumerisch gehobene Stimmung versetzt, noch verstärkt durch die Gesangseinlagen der bezaubernden Sängerin Annika Klar die mit klangvoller Stimme und freudvollem Auftreten die Herzen der Anwesenden erwärmte. Während die Sänger/innen der IKS Bigband selbst liebevoll die "Horstinetten" genannt mit kokett stilvoller Auftrittsweise und gesanglicher Brillianz ein Flair vergangener Jahrzehnte zu erzeugen wussten.

 

Oberbürgermeister Klaus Kaminsky betonte in einer Rede die Bedeutung des Jazzkellers Hanau und die weitere, wenn notwendige, Unterstützung der Stadt Hanau für den kulturell bedeutenden Jazzclub. Der Moderator des Abends Jürgen Schwab erinnerte an den Wert der Live-Musik und welche Überlebensnotwendige Wichtigkeit kleine Lokalitäten, wie der Jazzkeller Hanau, gerade für junge unbekannte Bands darstellen. Auch gab es Herzliche Glückwünsche eines Vertreters der Sparkasse, der sich als Mitglied des Jazzclubes Hanau, besonders darüber freute das sein Arbeitgeber als Sponsor auftrat.

 

Fein Scaliert

 

Nun betrat die 1976 gegründete Jazzrock-Kultband Scales aus Hanau die Bühne um mit tiefsinnig, gedankenschwerem Sound eine Atmosphäre zu erzeugen die Kenner in ihr Herz geschlossen haben. Neben Monika Marner, die für die Programmgestaltung im Jazzclub Hanau zuständig ist, spielte der begnadete Tony Lakatos, der erste Tenorsaxophonist in der HR-Big Band. Kunstvolle Saxophontöne umschmeichelten die verwöhnten Ohren der Musikliebhaber, um eingebettet im gesamtem Arrangement der Band eine typisch jazzspezifische Zeitlosigkeit im Saal zu erzeugen.

 

Kreative Frische

 

Nach einer Pause eröffnete Jürgen Schwab mit Gitarre und Gesang die nächste Runde des Konzertes und an der Reihe war Klangbezirk, die für den Autor überaschendste Neuentdeckung sprühte geradezu vor jungem kreativem Charme und sicherte sich schnell den Platz der persönlichen Favoriten. Mitreißend mit vollem Einsatz zeigten die vier jungen Berliner einen Ausschnitt ihres Könnens und begeisterten mit einer breiten Flexibilität das Sprachorgans und ihrem Improvistationtalent. So wurde auch ein Lied in chinesisch gesungen, in dem es sich nach Angaben von Klangkonzert um ein emotionales Bild schöner Landschaften, nebligem Wasser und das sich entfernen der Liebe dreht. Auch ein ganzes Album auf chinesisch gibt es von den vier zu kaufen. Gegen Ende ihres Auftrittes konnte das Publikum Liedwünsche äußern die dann aufgegriffen und improvisiert umgesetzt


Rotweinhaltige Nachtfantasien

 

Quadro Nuevo die sich vom Moderator Peter Schwab mit einem schmunzeln als "herumgekommen nicht heruntergekommen" bezeichnet wurden, gelang es den Saal in eine zauberhaft "tangoistisch" rotweinhaltige Atmosphäre zu tauchen, um in entspannend alternativ humorvoller weise ein Fantasiebild warmer, wilder Nächte im Zuschauer zu erzeugen. Die Band die schon über 3000 Auftritte absolviert hatte, versprühte in ihrem Ausdruck einen entspannten Humor und vermittelte ein Gefühl von Leichtigkeit. So fand sich mit Quadro Nuevo ein träumerisch, sanfter Ausklang eines Konzertes das wohl jeden einzelnen Besucher in seiner künstlerischen Finesse überzeugte.

 

Seit vielen Jahren ist Monika Marner verantwortlich für die Programmgestalltung und das Booking im Jazzkeller Hanau!

Anlässlich der Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig Kreises im Forum, Gelnhausen am 21.November 2012

 

 

Laudatio: Preisträger Jazz Club Hanau e.V. von Dr. Jochen Schild

 

 

Im Jazzkeller Hanau wird live Musik gespielt. Die Bands treffen hier auf ein echtes Publikum. Heute ist ein solcher Ort längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch in Hanau und dem Rest des Main-Kinzig-Kreises sind in den vergangenen Jahren immer mehr Musikclubs von der Bühne verschwunden. Der Jazzkeller hingegen ist immer geblieben, was er war, hat sich über alle – oft kurzlebigen - Trends hinweggesetzt. Und das seit mehr als 30 Jahren. Man kann sagen: Der Jazzkeller Hanau ist bei vielen Fans im gesamten Rhein-Main-Gebiet längst zu einer Institution geworden.
Die Musik, die auf der kleinen Bühne im Kellergewölbe der Philippsruher Allee 22 allwöchentlich zu hören ist, entstand aus dem lebendigen Zusammenspiel von Künstlern in den verschiedensten Ländern der Welt. Die Rede ist von Jazz, Blues, Reggae, Salsa, Rock oder Swing – kurz, all jenen Stilrichtungen, für die jene Bands stehen, die im Jazzkeller auftreten. Diese Bands wiederum bringen ihre eigenen Variationen dieser Musik mit, die das Publikum dann live und somit in einer ganz einzigartigen Version erleben kann.


Massenmedien und der Markt, zuletzt vor allem auch das Internet, haben Musik weltweit verbreitet und für viele Menschen hörbar gemacht. Der Preis dafür allerdings ist hoch. Aus der Musik wurde eine Ware, die Zuhörer zählen als Käufer an einem Markt, von starker Konkurrenz geprägt ist. Und deshalb bestimmt heute der Markt, was gespielt wird. Maßstab ist, was der Masse gefällt, die Charts bestimmen, was verbreitet wird: über Radio und Fernsehen oder auch in den Discotheken. Und wenn irgendwann einmal eine bestimmte Musik nicht mehr „mehrheitsfähig“ ist, sprich: die Verkäufe zurückgehen, wird eben eine andere Art von Musik präsentiert und verkauft. Denn die Begeisterung der anonymen Masse ist kurzlebig. Nicht das lebendige Publikum in einem Club vor einer Bühne, der Markt scheint heute das Maß aller Musik – und live out zu sein.


Indes: Das lebendige Publikum, die direkte Resonanz, die von einem Raum auf die Bühne schwappt, die Gefühle, die ein Künstler dabei empfängt und selbst empfindet – all das ist und bleibt das Lebenselixier eines jeden Musikers, der sich einem Stil verschrieben hat, den er spielt, pflegt, variiert und bereichert.
Und genau ein solcher unverfälschter Ort ist eben der Jazzkeller: Jazz, Blues, Reggae, Salsa, Rock, Swing: All das wird in alten und neuen Versionen live dort geboten. Nicht der Markt wird dort bedient, sondern Livemusik gepflegt. Bands finden dort ein lebendiges und dankbares Publikum – und das wissen beide übrigens sehr zu schätzen.
Das ist das Besondere am Jazzkeller. Er bietet auch jener Musik eine Bühne, die vom Markt aufgegeben wurde, die aus den Hitlisten verschwunden ist oder nie dort stand. Die aber trotzdem überlebt, weil es Bands und ein Publikum gibt, die gestern wie heute Spaß an echter, qualitätvoller Musik haben. Die während eines Konzerts miteinander ein Erlebnis teilen, wie es keine noch so ausgefeilte Musikanlage daheim oder in einer Disco zu bescheren vermag.


Klassische Musik und Kirchenmusik wird von Institutionen gepflegt. Musik wie Jazz, Blues oder Rock`n Roll, die Spaß macht aber nicht mehr massenkompatibel ist, hingegen hat es schwerer. Im Jazzkeller Hanau hat sie eine dauerhafte Heimat gefunden. Und das ist in erster Linie konkreten Personen zu verdanken: ihrer Liebe zu handgemachten Musik, ihrer Liebe zu dieser unverwechselbaren, auf ihrer Weise so charismatischen Kulturstätte in Hanau und ihrem unermüdlichen Engagement. Dass sie alle übrigens völlig ehrenamtlich leisten, im Dienste von Musik und Publikum. Denn der Jazzkeller, man glaubt es angesichts des kontinuierlichen Betriebs und des hochkarätigen Programms, wird nicht von professionellen Veranstaltern, sondern von einem Verein betrieben, dem Jazzclub. Hinter dem wiederum Menschen stehen: Monika Marner etwa, die für das Programm verantwortlich ist, und ohne deren hervorragende Kontakte zu vielen Bands, ein so hochkarätiger Konzertbetrieb gar nicht möglich wäre. Den Betrieb aufrechterhalten 30 aktiven JK Mitglieder , 2 bis 3,die jedes Wochenende hinter der Theke stehen und die Gäste mit Getränken bewirten und zwei die Dienst an der Kasse machen. Der Dienst beginnt vor 19 Uhr und geht bis lange nach Mitternacht. Jeden Freitag und Samstag. Besonderes Angebot: am ersten Mittwoch im Monat, „Blues Night“ und der dritte Montag im Monat zur „Jam Session“, beides Eintritt frei.


Diese ehrenamtlich Tätigen sind es, die gewährleisten, dass in der Region Livemusik im wahrsten Sinne des Wortes am Leben bleibt, sie geben Jazz, Blues, Soul, Rock´n Roll oder Salsa eine Chance, die der massenmediale Markt ihnen versagt. Der Jazzkeller ist deshalb neben Kirchen und Konzertsälen eine wichtige Einrichtung für die Pflege einer lebendigen Musikgeschichte und Musikszene, die bislang ohne ein institutionelles Mäzenatentum am Leben geblieben ist. Diese Ehrenamtlichen haben diesen besonderen Kulturpreis des Main Kinzig Kreises wahrlich verdient.

Am 27.08.2012 erhielt der Jazz Club Hanau e.V. die Bürgerplakette der Stadt Hanau

Erstellt Am Mittwoch, 19. Dezember - Hanau. Unerwarteter Besuch am letzten Samstag abend im Hanauer Jazzkeller: nicht nur für die Gäste eine Überraschung, sondern auch das Team des Jazzclubs staunte nicht schlecht, als Oberbürgermeister Claus Kaminsky kurzerhand das Mikrophon für sich beanspruchte. Erfreulicher Anlass für die unerwartete Stippvisite war die Auszeichnung mit der „Bürgerplakette der Stadt Hanau“, die nach den Worten des OB vom Magistrat einstimmig beschlossen worden war und die er an diesem Abend in Begleitung des ehrenamtlichen Stadtrats Heinz Münch überbringen wollte. „Mit der Bürgerplakette würdigen wir außergewöhnliche Leistungen um die Stadt Hanau. Das 30-jährige Bestehen des Jazzkellers in der Trägerschaft des Jazzclubs Hanau bietet eine hervorragende Gelegenheit, die damit verbundenen Verdienste des Vereins um die Allgemeinheit anzuerkennen und durch die Ehrung gleichzeitig das langjährige Engagement auch einmal öffentlich zu hervorzuheben,“ so OB Kaminsky in seiner Ansprache. Bis heute werde das Veranstaltungslokal in der Philippsruher Allee, das nicht zuletzt wegen des einzigartigen Keller-Ambiente bei Musikern und Gästen gleichermaßen geschätzt würde, durch ein ehrenamtliches Team betrieben, „das dafür, ohne nach einer Gegenleistung zu fragen, ihre Freizeit opfert“.
Bereits 1975 gründete sich der Jazzclub Hanau e.V., um sieben Jahre später die Räume im Keller des ehemaligen Hotels „Hanauer Hof“ zu übernehmen. Das Gebäude beherbergte damals die Hanauer Volkshochschule und ist inzwischen im Besitz der Sparkasse Hanau.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 1982 zeichnet sich der heutige Jazzkeller durch eine unverwechselbare Atmosphäre aus, die allen modischen Trends der letzten Jahrzehnte erfolgreich widerstand. Seit seiner Gründung ist der Jazzkeller Hanau eine beständige Größe im bewegten Hanauer Kulturleben geblieben. Die Musikkneipe ist außerdem eines der ganz wenigen Lokale der Jazz-Szene zwischen Gießen, Fulda, Darmstadt und Mainz, das regelmäßig Live-Konzerte veranstaltet und mit den bekannten Namen der Jazz-Szene, die immer wieder im Jazzkeller auftauchen, ist es gelungen, dass die Stammgäste des Jazzkellers aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet kommen.
Wie der OB weiter ausführte, ist jedoch das eigentliche Ziel des Vereins Jazzclub Hanau e.V. die Förderung des Musikernachwuchses aus der Region. Viele Bands, die heute durchaus überregionale Bekanntheit genießen, haben hier ihre ersten Auftritte absolviert. Damit gehe die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements des Jazzclubs über den Betrieb eines Vereinslokals weit hinaus, denn
„Das finde ich richtig gut und lobenswert, deshalb unterstützt die Stadt Hanau Ihre Arbeit auch sehr gerne.“
Eine Besonderheit, die sich letztlich auch im Preisniveau des Lokals niederschlägt, ist die Tatsache, dass der Jazzclub ein gemeinnütziger Verein ist. Das Service- und Kassenpersonal, das den Betrieb des Jazzkellers aufrecht erhält, wirkt ausschließlich ehrenamtlich und rekrutiert sich aus allen Berufssparten der Gesellschaft.
„Was die engagierten Clubmitglieder, die hier auftretenden Musiker und die treuen Gäste, die zum Teil von Anfang an dabei waren, vereint, ist die ehrliche Begeisterung für Livemusik und die einzigartige Kommunikation, die sich zwischen Publikum und Bühne entfalten kann, wenn der Funke überspringt“, so OB Kaminsky zur ganz besonderen Atmosphäre, die die Auftritte in dem Lokal von jeher prägen. „Der Jazzkeller und die aktiven Mitglieder des Jazzclubs haben damit auch die unbezahlbare Funktion übernommen, einer lebendigen Musikszene und ihren Fans eine Heimat zu geben, die ihnen andernorts wegen fehlender Massentauglichkeit verwehrt bleiben würde.“
Mit der Bürgerplakette wolle die Stadt Hanau das verdienstvolle Wirken für die Bürgerschaft der letzten Jahrzehnte ehren. „Eine solche Auszeichnung ist aber gleichzeitig auch ein öffentliches Dankeschön für die Bereitschaft, sich zum Wohl aller und als Vorbild für nachfolgende Generationen zu engagieren,“ schloss Kaminsky seine Ansprache. (pshu)

VOR 30 JAHREN... (1975)

Vor 30 Jahren… ich glaube ich war 13 Jahre alt, spielte ich mit der Hot Jazz Integration auf diesem tollen Jazzfest in der Stadthalle! Es war die Gründungsveranstaltung des Jazz-Clubs Hanau. Ja, die ganzen berühmten Bands waren da! Die Old Maintown Ramblers, mit Horst Dongowski an der Posaune und Fedi Freisleben am Schlagzeug, die Sugerfood Stompers, da spielte Gerd Hagemann zur Aushilfe am Piano (hatte übrigens den ganzen Abend mit einem kleinen Kassettenrekorder aufgenommen und mir dann später alles kopiert!), die Sounds aus Frankfurt, für meine Ohren damals fürchterlich modern (aber Take Five fand ich toll!) und natürlich die Barrelhouse Jazzband, mit diesem tollen Klarinettisten (ich bekam dann auch ein Autogramm von ihm: Mit den besten Wünschen für die Klarinette…!). Es war das erste grosse Konzert auf dem ich spielen durfte und an diesem Abend war mir schon absolut klar, dass ich das nicht zum letzten mal getan habe! Von den Machern der ersten Stunde weiß ich nicht allzu viel, war halt damals noch zu klein! Doch Heribert Becker, der den Verein mitgegründet hat, ist immer noch dabei und steht mit Rat und Tat zur Seite! Wir spielten mit der Hot Jazz Integration für den Jazzclub Hanau einige Male z.B. in der Mazurka oder im KOZ (damals in der Bäckerinnung). Die Hot Jazz Integration löste sich etwa 1980 langsam auf. Mit einigen Musikern der Old Maintown Ramblers (Horst Aussenhof, Alex Friedrich, Fedi Freisleben) und mir, gründeten wir 1982 die Leathertown Jazzband die auch im gleichen Jahr ihr erstes Konzert im Jazzkeller Hanau absolvierte! Der Kontakt zum Jazzclub, Jazzkeller und natürlich zu Rudi und Bernd, die in dieser Zeit den Keller organisierten, zog sich die Jahrzehnte wie ein roter Faden durch mein Leben. Auch unvergessen die unzähligen Abende und Nächte mit der ‚Soulgang’ - nach jeder Probe die langen Diskussionen und Gespräche über Stücke, Besetzung und Herzensleid im Keller bei einem stoisch, geduldigen Rudi! Und natürlich nicht zu vergessen die Mäxchen-Abende mir Rudi! Dann kam 1997 der grosse tragische Kummer erst um Bernd und nur kurze Zeit später um Rudi. Wir alle waren gelähmt vor Traurigkeit! Es gab ein paar gut gemeinte Versuche den Keller am Laufen zu halten, doch irgendwie wollte es nicht so recht weitergehen! Irgendwann trat der Vorstand in Form von unserem lieben Sven Uwe Schulteis an mich heran und fragte, ob ich als Musikerin nicht die Programmgestaltung des Jazzkellers übernehmen könnte! Nach dem ersten Schreck (ich sah eine Lawine aus Arbeit auf mich zu rollen…, da wollte ich mich erst mal drücken!) habe ich zugestimmt. Es sollte noch viel schlimmer kommen als ich befürchtet habe! Berge an Demo-CD’s und Infomaterial über die unterschiedlichsten Künstler, Bands und Projekte aus ganz Europa und auch Übersee türmten sich in kürzester Zeit auf meinem Schreibtisch. In dieser Zeit wurde das Internet populär und die Präsenz des Clubs auf einer Webseite machte den Kontakt für Jedermann spielerisch leicht. Gott sei dank auch für mich! Ich bemühe mich seither das Programm abwechslungsreich zu gestalten und immer wieder kleine und größere Bonbons einzubinden. Doch immer am roten Faden Jazz- und Bluesnahe Musik im Vordergrund zu halten. Ausnahmen bestätigen die Regel! Das Erste was ich lernen musste war, dass man es nicht Jedem recht machen kann. Das Zweite, dass ich mich auf meinen Geschmack und meine Intuition durchaus verlassen kann (Ausnahmen best… s.o. ). Das die Bands bei uns auf Eintritt spielen macht das Buchen nicht unbedingt einfacher! An dieser Stelle kann ich endlich mal ein riesiges Dankeschön an unsere Musiker entrichten. Ich weiß was es heißt sein eigenes Können auf Niveau zu halten, eine Band am Laufen zu halten, sich zu Bewerben, einen Abend durchzuspielen und dann auch noch mitten in der Nacht (wenn alle schon zu Hause sind) das ganze Equipment wieder zu verladen und zu Hause wieder auszupacken! Bei einem Club-Gig eben nur für kleinstes Geld! Da muss man schon mit Herz und Seele dabei sein! Doch oft werde auch ich von den Musikern gefragt warum ich bzw. wir uns die Nächte im Keller um die Ohren hauen, ja - da ist ganz schön was zu tun wenn’s voll ist im Keller! Hinterher saubermachen, Bestellung der Getränke, alles rein und rauskarren, die Arbeit im Hintergrund mit dem Programm, die Mitgliederverwaltung und, und, und…! Man nennt es Ehrenamtlich – also wir arbeiten alle umsonst! Umsonst??? Das stimmt so nicht ganz! Denn wir bekommen ganz viel dafür: tolle Musik, handgemacht, von tollen Musikern, live in realtime sagt man so schön! Schon das zu erleben ist unbezahlbar! Aber dazu kommt außerdem das tolle Team vom Jazzclub! Ich arbeite da nicht weil ich muss, sondern weil ich gerne mit Menschen zu tun habe auf die ich mich verlassen kann und die ebenfalls mit Herz und Seele (siehe Gedicht Reiner Weißbäcker) daran interessiert sind den Jazzkeller in seiner Vielfalt am laufen zu halten. Auch da möchte ich herzlichen Dank sagen an unseren harten Kern! Aber auch herzlichen Dank an unsere Mitglieder und Gäste die unsere Arbeit überhaupt erst ermöglichen.

 

 

 

Monika Marner (2.Vorsitzende / Programmgestaltung) / im Oktober 2005